CLIPS
Über 40internationale KünstlerInnen haben sich der Aufgabe gestellt,
von sich bzw. ihrer künstlerischen Arbeit einen Werbeclip
herzustellen. Es entstanden vielfältige Videos, wobei einige
der Eingeladenen durchaus über ihren künstlerischen
Schatten gesprungen sind.
Einerseits geben sie einen kurzen
Einblick in ihre Arbeitsweise, andererseits sind oft
eigenständige Miniaturen entstanden.
Die
BesucherInnen können beobachten, wie lang oder kurz das
gängige Werbeformat von 20 Sekunden sein kann. Ob in jedem
Fall eine überzeugende Eigenvermarktung gelungen ist, kann man
anhand eines reichhaltigen Angebots von Katalogen und Mappen selbst
ergründen.
> Herbert Stöger
Im Herbst 2006 starteten die Berliner Künstlerin Barbara Ueber, der Österreicher Herbert Christian Stöger und der Kunstverein Tiergarten einen Aufruf an Bildende Künstlerinnen und Künstler, für die Ausstellung "Clips" einen kurzen Werbefilm über sich und die eigene Arbeit zu entwickeln. In der pointierten Form von 20-sekündigen Clips - wie man sie aus den Vorabendprogrammen der heimischen Flimmerkiste kennt - sollen diese Beiträge nicht nur der Präsentation der eigenen Arbeit, sondern auch der künstlerischen Reflexion über das schwierige Verhältnis zwischen Kunst und Werbung, über Künstlermythen und die Hybris der modernen Kommunikationsgesellschaft dienen.
Über 40 internationale KünstlerInnen sind dem Aufruf gefolgt und haben sich der Herausforderung gestellt, von sich bzw. ihrer eigenen künstlerischen Arbeit einen solchen Werbeclip herzustellen. In den zurückliegenden Wochen sind die unterschiedlichsten Formate aus aller Welt eingegangen und offenbaren ein vielfältiges und abwechslungsreiches Bild zeitgenössischen Künstlerselbstverständnisses. Es entstanden unterschiedlichste Videoarbeiten, in denen die Eingeladenen sowohl kritisch mit den Bildstrategien der Werbung spielen als sich ebenso selbstbewußt ins Bild setzen und weiter am Künstlermythos arbeiten. Wiederum andere Beiträge sind von subtiler Ironie und hintergründigem Sarkasmus geprägt bzw. überzeichnen die gestellte Aufgabe bildnerisch ins Extreme. Durchweg alle der eingeladenen Künstlerinnen und Künstler haben Beiträge entwickelt, in denen sie das gängige Werbeformat zu ästhetischen und inhaltlichen Höchstformenen bringen.
Die Blickperspektiven reichen von der akribischen Dokumentation des eigenen Oeuvres über skurrile Fixierungen auf das belanglose Umfeld täglicher Arbeit bis hin zur ironischen Selbsteinschwörung auf gesellschaftliche Erwartungen. Andere Clips wiederum unterstellen sich weniger der eigentlichen Aufgabe, als sie vielmehr eigenständige künstlerische Miniaturen hervorbringen, deren formalästhetische Qualität nicht größer sein könnte..
Die gleichermaßen unterhaltsame wie tiefsinnige Ausstellung "Clips" lädt die Besucherinnen und Besucher ein, über heutige Klischees des Künstlerdaseins, über Mythologisierung von Arbeit und über das Verhältnis zwischen hochglänzenden Werbewelten und brutaler Alltagsrealität nachzudenken. Obendrein läßt sich anhand der über 40 Clips nachvollziehen, wie strapazierfähig unser Rezeptionsverhalten ist und wie lang oder kurz ein gängiges Werbeformat von 20 Sekunden sein kann. Ob in jedem Fall eine überzeugende Eigenvermarktung der Teilnehmenden gelungen ist, kann man anhand eines reichhaltigen Angebots von ausliegenden Katalogen und Mappen selbst ergründen.
> Dr. Ralf Hartmann, Leiter der Galerie Nord
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